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Die Truppenluftabwehr der NVA

Fla-Raketenkomplexe

   

|  2K11M "Krug" | 2K12M2 Kub"  | 9K33BM "OSA-AK" | 9K31 "Strela 1"  | 9K32M "Strela 2M" | 9K35 "Strela 10"|  9K38 "Igla"

Was ist ein
Fla- Raketenkomplex
?

  Als Fla-Raketenkomplex bezeichnet man die Gesamheit der zur Vernichtung eines Luftzeiles mit Fla-Raketen erforderlichen technischen Mittel. Im Einzeln unterlag die Definition der Elemente eines Fla-Raketenkomplexes mit deren Entwicklung einigen Veränderungen. Daher hier die Elemente eines FRK, wie ich Sie 1980 in der Sektion 05 der OHS "Ernst Thälmann" lernte:

Elemente eines Fla-Raketen-komplexes am Beispiel von 2K-11


AZS 1S12

RLS 1S32 FRK 2K11

SR 2P24 mit zwei Fla-Reketen 3M8

Fla-Rakete 3M8


TLF 2T6
 
  AZS Aufklärungs- und Zielzuweisungstation zur Aufklärung des Zieles, Kennungsab-frage und Zielzu-weisung
LS- Leitstation: Komplex aus einer oder mehreren Funk-meßstationen zur Zielbegleitung, Leitung der Rakete während des Fluges und Zün-dung des Gefechtsteils
SR- Startrampe:
Richten der Fla-Rakete, Startvorbereitung, Start
FRa- FlaRakete
Vernichtung de Lufziels
Quelle: mein guter alter FRS Hefter von der OHS

Ergänzend gehören nneben den Gefechtsmitteln auch eine Reihe technischer Mittel zu einem FRK. Dazu gehören im Wesentlichen:

  • TLF -Transportladefahrzeuge zum Beladen der Startrampen
  • TF (RTF) - Raketentransportfahrzeuge zur Zuführung der Fla-Raketen zu den Feuereinheiten
  • Techn. Bttr. - die Technische Batterie zur Vorbereitung und Kontrolle der Fla-Rakete. Nicht bei allen FRK der TLA gab es technische Batterien, aber die Funktion der Vorbereitung und Kontrolle von Fla-Raketen.
  • Reparaturorgane - gemeint waren damit Einheiten und Fahrzeuge zur Prüfung bzw. Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft

Daneben existierten auche andere Definitionen. In Neopokojeff "Schießen mit Fla-Raketen", gewissermaßen der Fla-Raketenbibel des Ostens, werden Mittel zur Aufklärung und Zielzuweisung nur ergänzend genannt. Das "Handbuch für Offiziere der Luftverteidigung" zählt dagegen als Bestandteile eines Fla-Raketenkomplexes die AZS, das Lenksystem, die gelenkte Fla-Rakete, die Startausrüstung, Transport und Zugmittel sowie die Hilfeinrichtung.
Oftmals wurden als FRK nur die Gefechtsmittel, die TLF und nur wenn in Feuereinheiten vorhanden, Mittel zur Prüfung und Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft (z.b PAB bei 9K33) bezeichnet.  

 
In der Broschüre "Unsere NVA" (1984)  wurde das Zusammenwirken der Gefechtsmittel eines FRK dargestellt. Allerdings handelt es sich eher um eine Werbe-Publikation. Für jeden der die dargestellten Funkmeßstationen kennt (1- Aufklärungs-station P-37, 3- Aufklärungsstation P-10, 4 - Zielbegleitstation GRS-9, ist klar, dass zwar das grundsätzliche Zusammen-wirken der Gefechtsmittel eines FRK richtig dargestellt ist, aber die dargestellten Stationen den Bezeichnungen nicht entsprechen. Aber weils so schön bunt ist..... 
 
 

SLS 9A33 FRK 9k33 OSA-AK
Insbesondere bei den sowjetischen FRK wurde in der Entwicklung ein immer höherer Integrationsgrad der genannten Elemente angestrebt. Sehr gut ist das an RLS, ALS un d SLS zu erkennen
RLS 2K11 Raketenleitstation 1S32 - vereinigte Zielbegleitstation, Raketenbegleitstation und Funkkommandosender
ALS 2K12 Aufkläungs- und Leitstation 1S91 des FRK 2K12 mit deiner Aufklärungsstation 1S11 und der Zielbegleitstation 1S31  mit Zielaufhellsender (ZAS)
SLS 9K33 Start- und Leitstation 9A33 mit Aufklärungsstation RLS und Artillerieteil zum Starten der Fla-Raketen
Die Startfahrzeuge bei den FRK 9K31 und 9K35 in den sich optische und passive Funkmeßmittel zur Aufklärung der Ziele und Richten befanden, wurden dagegen nur als Gefechtsfahrzeuge bezeichnet 

Klassifizierung

 Entsprechend der Klassifizierung gab es für die FRK unterschied-liche takt. Zeichen:


FRBttr. mit FRK kleiner (links) und geringer Reichweite (rechts)


FRBttr. mit FRK mittler und großer Reichweite

Quelle: mein Taktiklineal ?

 
Fla-Raketenkomplexe können nach Lenkverfahren, Lenkmethode und Reichweite unterschieden werden. In der Frühzeit der Entwicklung der Fla-Raketen gab es sogar noch die Unterteilung in gelenkte und ungelenkte Fla-Raketen. Doch ungelenkte Fla.- Raketen blieben faktisch eine Verlegenheitslösung und brachten keinerlei Vorteile gegenüber der herkömmlichen Flak
In der NVA erfolgte hinsichtlich der Reichweite analog der UdSSR folgene Einteilung:
  Rakete  Reichweite  FRK TLA der
NVA
  FRK LV der
NVA
 
  FRK kleiner Reichweite   bis 10 km   9K31 "Strela 1",
9K32 "Strela 2",
9K35 "Strela 10",
9K310 "Igla"
    
  FRK geringer Reichweite   10-25 km*  2K12 "Kub"
9K33 "OSA-AK"
  S-125 "Newa"  
  FRK mittlerer Reichweite   25-100 km  2K11 "Krug"   SA-75 "Dwina"
S-75 "Wolchow"
S-300P
 
  FRK großer Reichweite  > 100 km      S-200 Angara 
 
 
   * ursprünglich 20 km
 
 
9A33 überquert schwimmend einen Fluß (Quelle: Kupol)
   

 Ein weiteres Klassifizierungsmerkmal war die Mobilität eines FRK. Dabei unterschied man zwischen stationären, verlegbaren und mobilen FRK. Stationäre FRK lassen sich nicht verlegen. Insofern war von den sowjetischen FRK nur der FRK S-25 "Berkut" zur Verteidigung Moskaus stationär. In Anbetracht der Verlegezeiten kann man aber auch das FR-System S-200 der LV  als stationär ansehen. Die FRK S-75 Wolchow" und S-125 waren dagegen verlegbare System. Als wirklich mobil konnte man bei der LV nur den FRK S-300P, der sich jedoch 1989 noch in der Einführung befand als mobil bezeichnen. Dagegen handelte es sich bei allen Systemen der TLA um mobile Systeme mit der Besonderheit, dass die Gefechtsfahrzeuge bei 9K33 "Osa", 9K31 "Strela1" und 9K35 "Strela 10" schwimmfähig waren.  

     

Gefechtsmöglichkeiten eines FRK
  Wie "gut" ist ein Fla-Raketenkomplex? Das wird im Wesentlichen von den Gefechts-möglichkeiten eines FRK bestimmt. Die wesentlichten Kennziffern, welche die Gefechtsmöglichkeiten eines FRK bestimmen sind
   
  • Abmessungen der Vernichtungszone
  • Vernichtungswahrscheinlichkeit eines Luftziels unter verschiedenen Bedingungen
  • Dauer eines Schießzyklus
  • Dauer des Übergangs zur Bereitschaft zum Schießen
  • Anzahl der Zielkanäle
Die Vernichtungszone ist der Raum um einen FRK, in dem die Vernichtung eines Luftziels durch eine Fla-Rakete mit definierter Wahrscheinlichkeit garantiert wird. Die Grenzen der Vernichtungszone werden idR von den Möglichkeiten der Mittel zur Zielbegleitung und der Raketenlenkung und den Eigenschaften der Fla-Rakete (Flugzeit, mgl. Lastvielfaches, Einschwingdauer) bestimmt. Die meißten FRK verfügen daher einen sog. toten Trichter im Nahbereich. Im nebenstehenden Schema ist beispielhaft eine Vernichtungszone für einen FRK dargestellt.

 
  • en/ef - Schrägenetfernung zum Ziel an der nahen bzw. fernen Grenze der VZ
  • eKn/eKf - Entfernung in der Kartenebene zur nahen bzw. fernen Grenze der VZ
  • Hz - Zielhöhe
  • qmax - Kurswinkel (Seitenwinkel der Linie FRK - Ziel) bestimmt den Kursparameter P (Entfernung beim Vorbeiflug)
  • Line A-D untere Grenze der VZ
  • Linie A-E obere Grenze der Vernichtungszone
Die Vernichtungswahrscheinlichkeit eines Luftziels mit einer Fla-Rakete hängt von verschiedenen Parametern, bspw den Lenkfehlern der Fla-Rakete, der Stabilität der Zielbegleitung, der Masse des Gefechtsteils der Verwundbarkeit des Luftzieles und der Gegenwirkung ab. Dazu gibt es einen schönen Formelwurm, den ich mir hier erspare.    Als Schießzyklus wir die Dauer des Schießens auf ein Ziel von der Zielzuweisung bis zur Zielvernichtung bezeichnet. Die Dauer eines Schießzyklus bestimmt daher die Möglichkeiten zum aufeinanderfolgenden Bekämpfen von Luftzielen
Die Dauer des Übergangs zur Bereitschaft zum Schießen wird im wesentlichen bestimmt durch die Zeiten zum Beziehen und Verlassen der StartstellungDie Anzahl der Zielkanäle, ist die Anzahl der Ziele, die gleichzeitig durch den FRK zu bekämpfen sind. 2K11 und 2K12 ind er NVA waren einkanalige Systeme. Eine FRBttr. konnte jeweils ein Ziel bekämpfen. Bei den FRK 9K31, )K33 und 9K35 stellten die Gefechtsfahrzeuge und die SLS jeweils einen Zielkanal dar. Die betreffenden FRK verfügten also über 4 Zielkanäle. Beim FRK 9K32 und 9K333 zählte eine Gruppe (2-4 Fla-Raketenschützen mit dem Gruppenführer mit passivem Funkmeßpeiler) als ein Zielkanal

mittlere Vernichtungs-wahrscheinlichkeiten von  FRK der TLA der NVA (mit einer Fla-Rakete)
2K11 "Krug" 0,75
2K12 "Kub" 0,8
9K31 "Strela 1" 0,15-0,5
9K32 "Strela 2" 0,24
9K33 "Osa" 0,44-0,96
9K35 "Strela10" 0,1-0,6
9K310 "Igla 1" 0,44-0,59
 

FRK der NVA


Erster FRK der NVA war 2K11"Krug" mit dem das FRR-3 und FRR-5 ausgerüstet waren.
 
Die TLA der NVA war mit folgende Fla-Raketenkomplexen  (bzw. deren Modifizierungen) ausgerüstet:

  FRK-Bezeichnungen  
  Export  sowj.   Rakete  NATO-Code  
  "Krug"   2K11  3M8  "Ganef"  SA-4 
  "Kub"   2K12  3M9  "Gainful"  SA-6 
  "Strela 2"  9K32  9M32  "Grail"   SA-7 
  "Osa"   9K33 9M33  "Gecko"   SA-8 
  "Strela 1"  9K31  9M31  "Gaskin"   SA-9 
  "Strela10"  9K35  9M37  "Gopher"   SA-13 
  "Igla"  9K38  9M313  "Gimlet"   SA-16 

 
9K32 gehörte neben 2K11 Krug
zu den ersten in der NVA eingeführten Fla-Raketenkomplexen
(Bild: MTH Fla-Raketen)


1S91 des FRK 2K12 "Kub" darunter ein TLF 2T7 beim Beladen einer Startrampe 2P25 mit Fla-Raketen 3M9 (beide Bilder MTH TLA)


Gefechtsfahrzeug 9A31
"Strela 1"

Bild MTH Fla-Raketen


Gefechtsfahrzeug 9A35
"Strela 10" Bild Technikus 9/88


Ein- Mann Fla-Raketensystem
9K38 "Igla" (Bild: Hersteller)

 

Der erste  mobiler FRK der UdSSR war 2K11 Kub (1965), es war auch der erste FRK der 1974 bei der TLA der NVA eingeführt wurde. Ausgerüstet wurden mit diesem FRK die beiden FRR der MB. Die einzelnen Komponenten (AS 1S12, RLS 1S32 , SR 2P24 und TLF 2T6) waren durch eine damals unerreicht Mobilitäte und kurze Entfaltungszeiten gekennzeichnet. Nachteil war jedoch, dass die Rakete3M8 über ein Flüssigkeitstriebwerk verfügte, was die Vorbereitung der Raketen kompliziert gestaltete und die Lagerfähigkeit auf den Startrampen beschränkte. Aber mit einer Reichweite von von ca. 50 km verfügte das System über einen respektablen Deckungsradius. Der FRK blieb bis 1990 im Bestand und galt zum Ende seines Einsatzes als veraltet. Ab den 90-er Jahren sollte der FRK durch den FRK 9K37 "Buk" ersetzt werden.

Ebenfalls ab 1974 begann die umfassende Einührung des Einmann Fla-Raketensystems 9K32 "Strela 2" zur Abwehr tieffliegender Ziele. Mit diesem FRK wurden alle MSB bzw. MSK ausgerüstet. Darüber hinaus gab es Fla-Raketengruppen auch in den FRR des MB sowie der MSD/PD zur Deckung der FRK mittlerer und geringer Reichweite gegen tieffliegende Ziele. Die Bundeswehr übernahm die Bestände an 9K32 und setze sie zur Ausbildung bei der Heeres-Fla-Truppe (Gewöhnungsschießen) ein.

Fast gleichzeitig mit dem FRK 2K11 hatte in der UdSSR die Entwicklung des FRK 2K12 begonnen. Allerdings wurde die Entwicklung durch das halbaktive Verfahren und die Verwendung von Fesstofftriebwerken verzögert, so dass er erst 1967 in den Truppendienst gelangte. Hier wurde mit der Aufklärungs und Leitstation (ALS) 1S91 die Integration der bodengestützen Funkmeßmittel in einem Fahrzeug erreicht. I der zweiten Hälfte der 70-er Jahre wurde er in allen FRR der MSD und PD eingeführt und blieb bis 1990 bis auf die FRR-8 und FRR-11 im Bestand. Der FRR wurde in eine vielzahl von Ländern exportiert und kam in zahlreichen lokalen Kriegen zum Einsatz. Auch heute verfügen verschiedene Streitkräfte über zum Teil modernisierte Versionen dieses FRK. Daher verwundert es nicht, dass ein einzelner FRK durch die Bundeswehr als Bedrohungssimulator übernommen wurde.

Noch bevor der FRK 2K12 in die Truppe eingeführt wurde, begann die Entwicklung des FRK 9K33 OSA, bei dem Startfahrzeug und Funkmeßmittel in einer Start- und Leitstation (SLS) 9A33 integriert wurden. Es war der erste sowjetische FRK mit einem Rad-Basisfahrzeug. Eine Batterie mit 4  SLS verfügte so auch über vier Zielkanäle. Die SLS waren schwimmfähig und konnten auch in der Bewegung Gefechtsarbeit durchführen. Nur zum Start der Rakete war ein kurzer Halt notwendig. Nachdem die SLS 9A33, die 1970 bei den MSD der Sowjetarmee eingeführt wurde, über 4 Fla-Raketen 9M33 verfügte, konnte die spätere Version 9M33BM mit 6 in Containern gelagerten Fla-Raketen beladen werden. Diese Version wurde ab Mitte der 80-er Jahre bei der NVA eingeführt. Allerdings erhielten nur die FRR der 8. ud 11.MSD diesen FRK. Eine weitere Einführung war wohl nicht vorgesehen. Perspektivisch wären die anderen FRR der MSD/PD mit dem FRK 9K331 Tor ausgerüstet.

In den 60-ern begann in der UdSSR auch die Entwicklung von FRK zur unmittelbaren Deckung der MSR und PR. In diesem Bereich konzetrierte man sich auf die Entwicklung von passiven Systemen, die mit IR Zielsuchköpfen ausgerüstet waren oder nach dem Fotokontrastverfahren arbeiteten. Diese FRK kleiner Reichweite sollten die ZSU-23-4 in den Fla-SFL Batterien ergänzen.
Der erste dieser FRK (9K31"Strela1") wurde nur in geringer Stückzahl und ausschließlich in den Batterien der PR der PD eingeführt. Hintergrund waren offensichtlich Lieferschwierigkeiten seitens der UdSSR. Weiterentwicklung war das System "Strela 10", mit dem dann Ende der 80-er Jahre alle Fla-SFL Batterien zu Fla-Raketenartilleriebatterien umgerüstet werden sollten. Auch 9K35 wurde in geringen Stückzahlen durch die Bundeswehr und verbündete Streitkräfte ausschließlich noch als Bedrohungssimulator verwendet.

Der letzte FRK, dessen Einführung bei der TLA begonnen wurde war das Ein-Mann Fla-Raketensystem 9K310 "Igla" eine Weiterentwicklung von "Strela 2"  Ab 1988 begann bei der NVA die Einführung des FRK 9K333 Igla. Dieses System ist da. Die Einführung dieses FRK begann 1988. Es war das einzige System der TLA der NVA, dass durch die Heeres Fla-Truppe der Bundeswehr übernommen wurde. Selbst für das FlaRak-System "Ozelot" wurde berücksichtigt, dass von den Gefechtsfahrzeugen auch Iglas verschossen werden konnten.


V.: 1.1   ©   Andreas Zerbst   2000-2003
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